#005 Zwischenhalt auf „Steinsmühle“
Eintrag: 21.03.2026
Es ist immer wieder faszinierend, wie viel Unordnung entstehen kann, sobald ich nicht persönlich anwesend bin.
Die jüngsten Berichte über den Gutshof „Steinsmühle“, geführt von meinem ehemaligen Schüler Theodor von Besserberg, haben mich erreicht. Ich erinnere mich noch gut an ihn – bemüht, durchaus, aber selten imstande, die größeren Zusammenhänge zu erfassen. Offenbar hat sich daran wenig geändert, denn sein Hof wird seit geraumer Zeit von Überfällen geplagt.
Wie mir zugetragen wurde, hat er nun die Idee entwickelt, eine Bauernmiliz aufzubauen. Ein Ansatz, den ich ihm vermutlich schon vor Jahren nahegelegt hätte – hätte er damals besser zugehört. Immerhin scheint er nun, verspätet, zu ähnlichen Schlüssen gekommen zu sein.
Die Waldritter, so heißt es, haben ihre Hilfe angeboten und tatsächlich die Ausbildung dieser Bauern übernommen. Man berichtet von grundlegenden Verteidigungsübungen und sogar organisierten Trainingskämpfen hinter dem Hof. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie ungelenk sich diese ersten Versuche gestaltet haben müssen. Dennoch – selbst einfache Strukturen sind besser als gar keine.
Interessant ist zudem, dass die Waldritter sich wohl auch der Sorgen der Hofbelegschaft angenommen haben. Eine eher… volkstümliche Herangehensweise, die ich persönlich wohl effizienter gestaltet hätte. Doch die Berichte sprechen davon, dass dies auf Zustimmung gestoßen sei. Offenbar unterschätze ich bisweilen, wie sehr einfache Gemüter auf solche Gesten reagieren.
Währenddessen nutzten meine geschätzten Kollegen Lehrmeister die Gelegenheit, um einige Schüler weiter auszubilden. Es wurde von neuen Fähigkeiten berichtet – Details blieben, wie so oft, bedauerlich unpräzise. Ich werde mir wohl selbst ein Bild machen müssen, um sicherzugehen, dass dort tatsächlich Substanz vermittelt wurde und nicht bloß der Eindruck davon.
Erfreulich – oder zumindest erwähnenswert – ist, dass es neue Aufnahmen in den Fraktionen der Akademie gab. Sowohl die Magier als auch die Waldläufer konnten Nachwuchs verzeichnen. Es bleibt abzuwarten, ob sich darunter mehr als nur durchschnittliche Talente befinden. Erfahrungsgemäß ist dies selten der Fall.
Zusammengefasst ergibt sich das Bild eines Hofes, der sich – mit externer Hilfe, wohlgemerkt – langsam stabilisiert. Ich kann nicht umhin zu bemerken, dass viele der beschriebenen Maßnahmen deutlich zielgerichteter verlaufen wären, hätte man meine Expertise früher einbezogen.
Doch nun gut. Man kann schließlich nicht überall zugleich sein – auch wenn es bisweilen den Anschein hat, als wäre genau das notwendig.
— Bran
